Nr. 4 Dezember 2005
Liebe Scheerstaaner,
liebe Mitglieder unserer Christophorusgemeinde,
es ist ein altes Ritual. Am 4. Dezember gehe ich in den Garten, manchmal mit einem der Kinder. Und dann tun wir das ganz und gar eigenartige: wir schneiden einen Zweig vom Kirschbaum ab. Gerade vor wenigen Wochen erst hat er die letzten Blätter des vergangenen Jahres abgeworfen, nun steht der Baum wie alle anderen düster und kahl im kalten Nebel. Toter sieht ein Baum im ganzen Jahr nicht aus. Nun stellen wir den Zweig im Haus in lauwarmes Wasser und warten. Der Advent vergeht und es ist immer wieder ein kleines Wunder. Die Zweige beginnen auszuschlagen! Blättchen schieben sich ans Licht, Knospen sprießen. An Weihnachten, manchmal schon vorher, blühen sie auf. Ich liebe diesen Brauch, der nach der Tradition auf die Heilige Barbara zurückgeht.
Es war zur Zeit der Christenverfolgung im vierten Jahrhundert:
Barbara, die Tochter eines heidnischen Kaufmanns aus Nikomedien nutzte eine längere Abwesenheit ihres Vaters, um sich gegen seinen Willen taufen zu lassen. Nach der Rückkehr des Vaters änderte auch die Androhung von Folter und Tod ihren Sinn nicht. Ihr Vater brachte sie vor Gericht. Auf dem Weg in den Kerker, so die Sage, verfing sich ein Kirschzweig in Barbaras Kleid. Sie tränkte ihn aus ihrem Becher und kurz vor ihrem Tod, so berichtet die Legende, sah sie ihn mitten im tiefsten Winter blühen. Barbara starb 306 als Märtyrerin, doch sie starb mit der festen Hoffnung auf die Macht Gottes und seines auferstandenen Sohnes, die stärker ist als der Tod. Zeichen für diese göttliche Lebenskraft wurde der Barbarazweig, der gegen alle Erwartung im tiefsten Winter blüht.
Ich finde diesen Brauch nicht nur deshalb so schön, weil er während der dunkelsten Zeit des Jahres ein Zeichen des Lebens ist, das nach dem Winter zurückkehren wird. Für mich ist er Zeichen für das, was wir als Christen glauben: dass entgegen allem Anschein, entgegen aller Dunkelheit dieser Welt, entgegen aller Gewalt, Krankheit, Not und Verzweiflung der Menschen Gottes Sohn den Sieg davontragen wird. Er, der mitten in den Winter dieser Welt hineingeboren wurde und den Menschen Heil und Leben brachte. Auch wenn dieses Jahr mit seinen vielen Problemen und Katastrophen einmal mehr wie ein toter, kahler Zweig ausschaut: Gott wird zum Blühen bringen, was für uns manchmal ganz hoffnungslos erscheint.
Ich wünsche uns allen, dass wir die Hoffnung des Barbarazweiges in diesen Weihnachtstagen in unsere Herzen empfangen.
Mit diesen Weihnachtsgedanken
grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Jörg Mohn
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Förderkreis Christophoruskirche
Angesichts der drastisch reduzierten landeskirchlichen Zuweisungen
für die Gemeindehaushalte ruft der Kirchenvorstand der
Christophorusgemeinde zur Gründung eines Förderkreises auf
mit dem Ziel, unsere Kirche, Gebäude und Grünanlagen wie
bisher zu erhalten und unsere weit über den Ort ausstrahlende
Gemeindearbeit ungemindert fortzusetzen.
Bisher konnte unsere Gemeinde dank des Verteilungssystems
innerhalb der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
(EKHN) von der Solidarität besser gestellter Gemeinden profitieren,
was die für unsere Gemeindegröße außerordentlichen
Leistungen, insbesondere auch im Bereich der Kirchenmusik,
ermöglichte. Doch nun hat die Landeskirche auf Grund der drastisch
zurückgegangenen Kirchensteuereinnahmen einen ganzen
Zuweisungstopf an die Gemeinden geschlossen, die sog.
„Sonderzuweisungen“, von denen etwa auch unsere Küsterstelle
mit mindest. 40% finanziert wird! Dieses Geld fehlt jetzt ersatzlos
und unsere Gemeinde kann es auf Grund fehlenden Vermögens
oder fehlender Rücklagen nicht aufbringen. Wir sind auf
die aktive Mithilfe unserer Mitglieder und Freunde angewiesen,
wenn wir unsere Kirche erhalten und unsere Gemeindearbeit
weiterhin mit der bisherigen Strahlkraft fortsetzen wollen.
Der Kirchenvorstand der ältesten Schiersteiner Gemeinde und
Kirche ruft darum die Gemeindeglieder zu Hilfe und Solidarität
mit ihrer Kirche auf. Regelmäßige Spenden können Enormes
bewerkstelligen und mithelfen, dass die Christophorusgemeinde
mit ihrer schönen Kirche auch weiterhin ein Anziehungspunkt in
Wiesbaden bleibt.
Darum: Werdet Mitglied im "Förderkreis Christophoruskirche"!
Näheres im Innenteil dieser Ausgabe.
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